Die Schublade.

Schublade

Jeder kennt sie: die Gegenstände, die keinen speziellen Aufbewahrungsort haben. Meist liegen sie tagelang auf einem Tisch oder einer anderen Ablagefläche herum, denn keiner weiß so recht wohin damit. Es wird dezent ignoriert oder von einem sinnlosen Platz zum nächsten befördert. Bis es dann irgendwann in DER Schublade landet. Manche haben auch eine Kiste, die mutigen unter uns schmeißen es direkt in den Müll. Bei mir war das zuletzt ein Extra-Kaugummi-Dosenhalter für das Auto. Da ich nur selten mit dem Auto fahre und daher eher weniger einen Dauerbestand an Kaugummis benötige, habe ich das Teil erst mal 2 Wochen auf unserer Küchenablage hin- und hergeschoben. Da lag auch noch ein Block, ein Stift, diversen Einkaufszettel und so weiter. Mit den Einkaufszetteln ist das auch so eine Sache. Ich weiß einfach nicht wohin damit. Auf der einen Seite weiß ich, dass ich sie mir nie wieder anschauen werde, auf der anderen Seite will ich sie nicht wegschmeißen – man kann ja nie wissen. Also habe ich hierfür eine Box erschaffen (eine alte Butter-Keks-Dose). Aber mit der Zeit landeten in dieser Dose nicht nur die Einkaufszettel, sondern auch jeder andere Kram der keinen wirklichen Bestimmungsort hat. Den Kaugummi-Halter habe ich übrigens einer Freundin geschenkt, die jeden Tag mit dem Auto unterwegs ist und stets Kaugummi dabei hat. Eine mobile Kaugummi-Quelle.

Doch zurück zu der Schublade. Meine Schublade gehört zu einem IKEA-Schränkchen auf Rädern. Mir wird gerade bewusst, dass auch das Ablage-System oben drauf ein einziges Chaos von Blättern ist, die in keinen Ordner passen. Also thematisch gesehen. In meiner Schublade befinden sich diverse Ordnerhalter aus Holz, die dafür herhalten müssen meine halb-aufgebrauchten Blöcke zu halten und andere Schnellhefter, die den ärmlichen Versuch darstellen mehr Ordnung in mein Leben zu bringen. Wahrscheinlich waren sie alle für das obere Blätter-Chaos gedacht. Vor diesen Haltern ist ein Nichts. Ein Nichts das gefüllt ist mit Allem. Alles was mir auf meinem Schreibtisch in die Quere kommt, verschwindet kurzer Hand in diesen Teil der Schublade. Da liegt meine Maus, die gestern den Geist aufgegeben hat; Einkaufszettel (ihr seht – das Keks-Dosen-System funktioniert nicht); eine halbvolle Packung Taschentücher; eine LED-Stablampe die so viel Licht hergibt wie diese gelb-leuchtenden Sterne aus meiner Kindheit; zwei Notizblöcke; ein alter Planer; eine Fusselrolle (eigentlich hat die einen speziellen Platz…in der anderen Box, in der große unspezifische Dinge untergebracht werden); Ein Brief von der Bank, eine Metallstange und so weiter… Ihr seht, in dieser Schublade befindet sich alles. Wohin damit? Soll ich etwas 10 verschiedene neue Kisten organisieren, damit in jeder ein einzelner Gegenstand liegt?  Diese Schublade ist zum Ignorieren geschaffen worden. Und so lange sie nicht bis obenhin vollgestopft ist (viel fehlt nicht mehr) werde ich dieses Problem weiterhin ignorieren. Ich bin schon gespannt, was als nächstes hinein geschmissen wird. Vielleicht ein Plastik-Stück von dem kein Mensch weiß, aus welcher Verpackung es gekommen ist…


Mein Original-Beitrag erschien zuerst auf pialalama unter dem Titel „Die Schublade“

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