Von Mutmachungen und Heuchelei.

„Jeder soll das tun und lassen was er will!“ 
„Jeder soll sich in seinem Körper wohl fühlen dürfen!“ 
„Jeder kann sein wie er will!“

Ja, das sind die Sätze die man ständig und auch sehr gerne hört. DANKE, dass ihr es aussprecht, dass ihr versucht, den vielen Menschen, die es immer noch nicht verstanden haben, ein besseres Weltbild beizubringen. Danke! Oder etwa nicht?

Leider sehe ich hier heutzutage immer mehr Heuchelei. Und das stinkt mir bis zum Himmel! Da werden in Massen solche Sätze verbreitet, wie die oben stehenden – was auch gut ist! – aber oftmals scheint sich das Wort „Jeder“ nur auf Personen der Seite der, vorsichtig ausgedrückt, „Minderheit“ bzw. den „Unterdrückten“ zu beziehen. Verwirrt?

Das beste Beispiel ist wohl die ewige Diskussion um den „perfekten Körper“. Ja, leider heben die Medien und vor allem die Modeschöpfer immer wieder hervor, dass 90-60-90 die perfekte Zahlenkombination ist, wenn es um den weiblichen Körper geht. Bei Männer kenne ich keine Zahlenkombination, aber es soll schon mal ein Sixpack sein und eine Mindestgröße von 1,90 m. Dass das natürlich zu Verunsicherungen bei Menschen außerhalb dieses merkwürdigen Schönheitsideals kommen kann, ist klar. Vor allem, wenn dann noch die beschränkten Menschen dazu kommen, die diese Idealvorstellungen unterstützen. Jetzt kommt der Satz ins Spiel. „Jeder soll sich in seinem Körper wohlfühlen dürfen“. Ja, vollkommen richtig. Schäme dich nicht deiner Pfunde, deiner Dellen in den Schenkeln, deiner Kurzhaarfrisur und deiner bleichen Haut. Das alles, sagen wir unseren Freunden, Verwandten und erfreulicherweise auch vollkommen fremden Menschen, um sie zu ermuntern und ihnen Mut zuzusprechen. Und

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direkt im Anhang  kommen dann Sätze wie „Nicht jeder will so dünn sein!“, „Die hat ja keinen Arsch in der Hose!“, „Sei doch froh, dass du nicht so‘ne flache Flunder bist!“, „Das ist doch keine natürliche Bräune“, „Lange Haare… BLABLABLA“. Wir war  doch gleich der Satz mit, jeder soll sich in seinem Körper wohl fühlen dürfen? Um die eine Seite zu stärken, hackt ihr auf der anderen herum. Diese elendige Heuchelei. Darf eine dünne Frau sich etwa nicht wohlfühlen? Es mag unglaublich klingen, aber es gibt Menschen, die sind einfach dünn. Nicht weil sie sich denken „Ja, Ja! Ich will dem Schönheitsideal entsprechen, bringt mir meinen Hometrainer und das Detoxgetränk!“, sondern einfach weil sie es sind. Genauso wie dickere Menschen, einfach so sind. Klar, gibt es in beiden Richtungen auch Extreme, aber da machen wir dann den Mund auf, um auf die Gefährdung der Gesundheit aufmerksam zu machen. Solange aber niemand krank ist, soll jeder so dick oder dünn bleiben wie er will. So bleich, so gebräunt wie er will. So langhaarig oder … Ihr wisst worauf ich hinaus will.

Oftmals merken die Leute das gar nicht. In der Euphorie, Menschen zu unterstützen und die Gesellschaft von erzwungenen Schönheitsidealen zu befreien, vergessen sie oft, dass es Menschen gibt, die sich nicht zu irgendetwas gezwungen sehen. So zum Beispiel auch die neueste Anti-Make-Up-Bewegung. Stars wie Alicia Keys machen es vor: Steht zu eurer natürlichen Schönheit, hört auf nur den Medien zu gefallen. Ja, hört sich gut an. In erster Linie richtet sich das natürlich an Frauen die sich eben dazu gezwungen fühlen, sich stylen & schminken zu müssen, aber manche dehnen das dann gleich aus, und schon ist Make-Up an sich etwas böses. Plötzlich ist jede Frau in dieser Hinsicht fremdgesteuert und wird dafür kritisiert, die Reduzierung der Frauen auf äußere Schönheit zu unterstützen. Schon mal den Gedanken gehabt, dass es Mädels gibt, denen es einfach SPASS macht sich zu schminken?! Ich selbst zum Beispiel, bin noch nie geschminkt aus der Wohnung gegangen mit dem Gedanken „Gut das ich mich geschminkt habe, das wird von mir als Frau so erwartet!“. Ich mache das, weil es mir verdammt nochmal Spaß macht, dunklen Lippenstift zu tragen, einen Kajalstrich zu ziehen und meine Auge mit Farben zu betonen. Und so wie es mit diesem Thema ist, ist es auch mit vielen anderen.

Aber ich will den Beitrag an dieser Stelle nicht mit Beispielen in die Länge ziehen – und davon gäbe es so einige . Was ich euch am Ende ans Herz legen möchte ist:

Verbreitet weiterhin den Mut an Menschen, die sich unwohl fühlen, in welcher Hinsicht auch immer. Aber seit dann so fair und bedenkt, dass die andere Seite ebenso nur so sein möchte, wie sie nun mal ist. Kritisiert meinetwegen die Medien, die Schönheits- und keine- Ahnung-was-für-Ideale in die Welt setzten. Ansonsten wird der Spieß einfach nur umgedreht. Ich will aber keinen Spieß. Ich will, dass die Spitze abgehackt wird. Sag einfach nur „Du bist gut ,so wie du bist.“ PUNKT. Nicht noch ein Anhängsel, das dann die andere Seite kritisiert.


Mein Original-Beitrag erschien zuerst auf dem Blog pialalama unter dem Titel Hackt die Spitze ab 

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