Eine Butterbrezel von den Grünen.

Der Sonntag, von dem inzwischen keiner mehr was hören kann, steht vor der Tür. Bei den Parteien heißt es im Wahlkampf erst mal Endspurt und noch ein letztes Mal werden die Werbetrommeln ordentlich gerührt, um unentschlossene, aber potentielle Wähler zu ködern! Eine Partei hat sich da was ganz leckeres überlegt. Ja richtig gelesen: etwas leckeres.  Heute morgen bin ich aus dem Zug gesprungen – nicht wie im wilden Westen, bei voller Fahrt. Ich bin einfach nur klein –  und zum Bus gerannt, da kommt ein junger Mann  frontal auf mich zugestürmt und streckt mir in seiner Hand etwas entgegen. Mit den Worten: „Eine Butterbrezel von den Grünen?!“

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Ein Plakat der Grünen zur Brezel-Aktion. Bildquelle

Erst halb-panisch, dann irritiert und letztendlich lachend bin ich meinen Weg weitergegangen. Aber: Das beschäftigt mich schon den ganzen Tag. Und ich will natürlich darüber berichten…so etwas machen Blogger nämlich. Drei Gedanken von mir, die mir schon den ganzen Tag durch den Kopf schwirren:

Erster Gedanke

Stellt euch mal vor, jede Partei würde ihre Anhänger an Bahnhöfen aussenden um Essen zu verteilen. Natürlich aus reiner Berechnung. Nur um Wähler zu locken. Potentielle Wähler – dazu später mehr. Die AFD würde wahrscheinlich mit dem Weißwurst-Frühstück locken: „Ein Stück Heimat im Magen!“. Die CDU würde wohl gerne Christstollen anbieten, aber im Herbst ist es dafür noch zu früh. Also würde es wahrscheinlich Oblaten geben. Trockene Oblaten. Die Grünen haben sich für Butterbrezeln entschieden, warum auch immer.  Aber an euch alle: Unter einem 7-Sterne-7-Gänge-Menü und einem Sack voll Bio-Avocados werden alle Angebote abgelehnt. Und auch dann werde ich wahrscheinlich meine aktuelles Wahl-Vorhaben nicht ändern.

Zweiter Gedanke

Warum eine Butterbrezel?  Symbolik ist wohl nicht so euer Ding? Hätte ich euch etwas zuordnen können, so wie oben, dann wären es wohl Falafel gewesen. Gerade hier in Tübingen, wären die weggegangen wie warme Semmel. Oder ein Apfel. Ein grüner Apfel natürlich. Müsste ich vor einem Tisch mit „Wahl-Werbe-Essen“ stehen, darunter die Brezel, dann wäre eben diese das Letzte, was ich euch zuordnen würde. Gerade in der Wahlzeit erwartet man doch mehr Berechnung von den Parteien.

Dritter Gedanke

Warum habe ich diese Brezel nicht genommen? Ich hatte es nicht sonderlich eilig – trotz Ausfall des eigentlichen und Verspätung des nachfolgenden Zuges -, aber ich kann es einfach nicht leiden, wenn jemand frontal auf mich zuläuft und mir etwas mit ausgestreckter Hand in die Hände drücken will. Und dann auch noch Essen. Aber ich wünschte, ich hätte diese Zeit genutzt, die ich nicht vermisst hätte. Ich hätte diese blöde Brezel annehmen, die grüne Grünen-Serviette in den Müll werfen und damit zu dem nächsten Obdachlosen laufen sollen. Denn davon gibt es leider genügend an dem Bahnhof. Ich habe mich gefragt: „Schämt ihr euch eigentlich nicht?!“. Ihr verteilt gratis Brezeln an vorbeieilende Schüler, Studenten, Arbeiter und Geschäftsleute und nebenan sitzen arme Menschen, die die Mülleimer nach den Überbleibseln von Burger King durchsuchen. Klar, ihr Personen im Einzelnen habt vielleicht in dem Moment nicht daran gedacht. Wer weiß, vielleicht doch. Aber eure Butterbrezeln hätte ihr lieber denen geben sollen, die es nötiger haben. Und da sind wir bei dem Wort, das ich nun schon ein paar Mal erwähnt habe: Potentielle Wähler. Obdachlose ohne feste Anschrift, also auch ohne Wahlbenachrichtigung können nicht wählen gehen. Sie dürfen es zwar, aber können tun die es nur dann, wenn sie ihr Recht dazu einfordern. Das mag vielleicht etwas dramatisch und übertrieben klingen, aber es waren nun mal meine Gedanken: Kein Wähler, keine Brezel?! Irgendwie fand ich das ironisch. Parteien, die Gerechtigkeit und weniger Armut wollen, ignorieren die Menschen, denen sie eigentlich helfen möchten.

Ein interessanter Beitrag zum Wahlrecht von Wohnungslosen Menschen.

 

pine2h

 


*Dieser Beitrag soll in keiner Weise Werbung oder Anti-Werbung für irgendeine der genannten Parteien sein.

 

 

 

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