Ist es wieder soweit?

Vor einer Woche ist es mir wieder aufgefallen. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche. Die Müdigkeit kann ja auch einfach nur vom Wetterumschwung kommen, oder? Zumindest rede ich mir das immer ein. Dabei weiß ich es ja inzwischen eigentlich besser: Es ist wieder so weit. Der nächste Arztbesuch steht an. Die nächste Blutabnahme. Und wenn ich recht behalte, dann wird meine Ärztin mir am selben Abend noch am Telefon sagen: „Frau Lutz, ihr Werte sind leider wieder zu hoch. Da müssen wir neu einstellen.“. 

Vor circa 6 Jahren wurde bei mir eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) festgestellt, eine Stoffwechsel-Erkrankung. Das war eher ein Zufallsbefund, denn eigentlich bin ich wegen etwas ganz anderem zum Arzt gegangen. Bei einer Hypothyreose werden nicht mehr genügend Schilddrüsen-Hormone produziert, was sich auf ziemlich viele Dinge im Körper auswirkt. Eine Auflistung der vielen möglichen Symptome könnt ihr in den vielen Ecken des weiten Internets finden. Aber ich stelle immer wieder mit erschrecken zwei Dinge fest: 1. Fast alles trifft auf mich zu und 2. Meine Tabletten machen keinen Unterschied.

Die wohl typischsten Symptome sind die Müdigkeit, die starke Gewichtszunahme und die Kälte-Intoleranz.  Ständig werde ich gefragt: Warum bist du denn immer so müde & hast auf nichts Lust? Darum. Warum hast du bei dem warmen Wetter einen Pulli an? Darum. Warum sind deine Hände immer so eiskalt? Darum. Und ich an mich selbst: Wieso passt du schon wieder nicht in die neue Hose? Darum. Auf die anderen Millionen Symptome will ich gar nicht erst eingehen. Aber kommen wir zum zweiten Punkt.

Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, dass meine Tabletten nichts bringen. Nach einer kleinen Blutabnahme stellte man fest, dass meine Werte wieder schlechter geworden sind und man meine Dosis erhöhen müsst. Ist ja an sich nicht tragisch, kann ja mal vorkommen.

Ein paar Monate später, habe ich erneut das Gefühl: Meine Tabletten bringen einfach nichts. Wieder müde, wieder lustlos, wieder appetitlos und, und, und. Inzwischen bin ich umgezogen und bei einer anderen Ärztin, die zufälligerweise auf Schilddrüsen-Erkrankungen spezialisiert ist. Ihr sage ich das Gleiche: Ich habe das Gefühl, die Tabletten bringen nichts. Diesmal gibt es nicht nur eine einfache Blutabnahme, sondern gleich ein Vollbild und auch noch eine Ultraschall-Untersuchung meiner Schilddrüse.

Kennt ihr das, wenn es zu lange ruhig bleibt? Wenn zu lange kein Wort gesagt wird. Also ich kenne es und habe es richtig interpretiert: Frau Lutz, sagt ihnen Hashimoto etwas? Ja, tut es. Eine Autoimmun-Erkrankung bei der dein Körper zu doof ist, seine eigenen Zellen der Schilddrüse zu erkennen und diese dann der Todesmaschinerie des Immunsystems überlässt. Keine Zelle, kein Hormon.

Hier liegt also das Problem: Ist ja schön und gut, wenn meine Tabletten heute richtig eingestellt werden. In drei oder vier Monaten sieht es aber wieder genauso aus. Und ich denke, jetzt ist wieder diese Zeit gekommen. Meine nächste Ultraschall-Untersuchung ist eigentlich ja erst für nächstes Jahr geplant, aber ich bin mir sicher, dass von meinem kleinen Zellhaufen, der sich Schilddrüse nennen will, nicht mehr viel übrig ist.

Die verschiedenen Anti-Körper, die man bei einer Hashimoto-Thyreoditis nachweisen kann, haben bei mir übrigens gefehlt. Allerdings ist das bei ca. 10% der Fälle normal ( Seronegative Hashimoto-T.). Nachdem meine Ärztin zunächst sicher war, dass es Hashimoto ist, einfach wegen dem Ultraschallbild, meinte sie ein paar Monate später, dass es kein Hashimoto ist. Wegen dem Ultraschallbild. Ich war etwas verwirrt, und fragte sie , was es denn sonst sein könnte: Wir waren uns immerhin in dem Punkt einig einig: Es muss eine Autoimmunerkrankung sein, sonst würden die Zellen sich ja nicht abbauen. Aber vielleicht wurden die AK, die in meinem Fall gerne Schilddrüsen-Zellen zu sich nehmen, einfach bisher noch nicht entdeckt oder erforscht oder was weiß ich…

Wie auch immer, ich bereite mich schon mal darauf vor, dass ich meine Tabletten-Dosis wieder erhöhen muss. Oder vielmehr die Dosis des Hormons. Meistens konnte ich damit recht gut umgehen, aber das letzte Mal ist das Ganze dann doch etwas emotionaler verlaufen. Mal sehen, wie es das nächste Mal sein wird.

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*Quelle Beitragsbild

2 Gedanken zu „Ist es wieder soweit?

  1. Ich denke man darf emotional sein, wenn der eigene Körper sich nach und nach selbst zerstört. 🙁
    Eine Bekannte von mir hat auch Hashimoto, die ist aber spindeldürr.

    Alles Gute!

    LG Babsi

    1. Hallo Babsi!

      Ja, ich weiß! Es ist nur so, dass ich das früher irgendwie nie so richtig realisiert habe, wie doof das eigentlich ist und was eigentlich alles in meinem Körper sich dadurch verändert.
      Es gibt anscheinend Phasen, bei denen Hashimoto eher wie eine Überfunktion wirkt und nicht wie eine Unterfunktion. Eine Bekannte von mir hat auch eine Unterfunktion ( aber kein Hashimoto) und sie sagt, sie hat kaum Symptome.

      Danke,
      Liebe Grüße!

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